
Die Premiere des ersten deutschen Barcamps zum Thema Regieren 2.0 ist geglückt. Unter mehr als 300 Teilnehmern die sich im Gebäude der Hertie School of Governance zwischen mehr als 30 verschiedenen Sessions entscheiden konnten war auch ich selbst. Der für mich etwas ungewohnte Ablauf eines BarCamps (es war mein Erstes) wurde dem Thema mehr als gerecht. Nach einem Eröffnungspanel auf dem sich u.A. Anke Domscheit (Microsoft), Dr. Hans Bernhard (IT Beauftragter der Bundesregierung) und Franz Reinhard Habbel (Sprecher Deutscher Städte und Gemeindebund) ihre Einschätzung zum Status Quo und am Ende auch ihre Vision zum eGov in 10 Jahren abgaben, wurden die Sessions geplant. Durch die wirklich zahlreichen Angebote (insgesamt 35 Panels) fiel es teilweise richtig schwer sich für ein Thema zu entscheiden. Die Strategie des BMI das federführend die Deutschland Online Initiative umsetzen soll, war Thema des ersten Panels das ich besucht habe. Das hierbei hochrangige Ministerialvertreter die Anwesenden um eine eigene Ergänzung der gewählten Strategie baten und sich sichtlich bemühten alle Anregungen aufzunehmen (die Umsetzbarkeit war nicht das Thema) war hierbei sehr angenehm. In einem späteren Panel stellte David Bankston seinen (und damit auch den der Obama-Administration) Entwurf einer vernetzten Bürgerschaft unter dem Titel "Neighborhood connected" vor. Hierbei werden verschiedene Stufen der Interaktion gewählt um das jeweils richtige Maß für die jeweils auftraggebende föderale Ebene zu finden. Um Probleme mit dem Datenschutz zu umgehen tritt die Regierung hierbei nicht als Betreiber der Seiten auf. Das Deutschland mit seinen relativ rigiden Datenschutzbestimmungen hierbei nicht das gleiche Potenzial zur Umsetzung und Aktivierung einer aktiven Bürgerschaft auf diesem Weg gehen kann wurde deutlich. Gelungene Beispiele für die Arbeit von Neighborhood America Inc. werde ich ausführlich in den nächsten Wochen hier vorstellen. Andere Themen waren u.A. Crowd Sourcing, Mobile eGov, Bürgerpartizipation oder die Vision vom eGov der Zukunft.
Abseits der Sessions war der Austausch mit den Teilnehmern auch in den Pausen sehr spannend. Der gewollte Low-Key-Charakter der Veranstaltung und der hohe Anteil von Verwaltungsvertretern (ca. 40% der Teilnehmer) haben zu einer fachlich wirklich hochklassigen und darüber hinaus auch praxisrelevanten Veranstaltung beigetragen.
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Kurioses zum Schluss: weniger ernst gemeint scheint mir dagegen die Idee der Veranstalter eine Twitterwall einzurichten, bei der alle mit dem Hashtag #g20c versehenen Twitter-Einträge (Tweets) live auf die Wand im Audimax geworfen wurden und man die teilweise etwas sinnfreien Einträge der zahllosen Twitter-User vor Ort in Echtzeit lesen konnte. Einen Sinn darin hat allerdings Patrick Brauckmann bei der Kampagnenfabrik entdeckt, Kritik in Echtzeit, projeziert über den Köpfen des Panels. Überhaupt war die unheimliche Smartphone und Laptopdichte unübersehbar, teilweise wurden von Usern mehrere Geräte gleichzeitig genutzt, eGov 2.0 schien da fast schon zum Greifen nah.
Dem Orga-Team und den Sponsoren herzlichen Dank für diese extrem gelungene und hoffentlich im nächsten Jahr wiederholte Veranstaltung.